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Atomenergie

Laut dem Bericht des Deutschen Atomforums e.V. waren 2012 weltweit 439 Atomkraftwerke in 31 Ländern in Betrieb. Knapp die Hälfte davon in den USA (104), Frankreich (58) und Japan (51). Trotzdem lag nach einer Studie des Weltklimarates (IPCC) der globale Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung nur bei 2 Prozent. Fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Gas bildeten das Gros der Energieträger zur Stromgewinnung (85%), gefolgt von den erneuerbaren Energien (13%).


 
Die Industrieländer setzen Atomkraft zur Stromerzeugung seit den 60er Jahren ein. Anfangs mit dem Image einer sicheren, sauberen und unerschöpflichen Energiequelle ausgerüstet, bröckelte das positive Bild der Atomkraft immer mehr. Die Super-GAUs in Tschernobyl und Fukushima sowie das noch immer unlösbare Problem der Entsorgung des Atommülls künden zu Beginn des 21. Jahrhunderts vom Ende der Atomkraftwerke.

In Deutschland gilt der Ausstieg aus der Atomkraft seit dem Jahr 2002 als beschlossen, vierzig Jahre, nachdem das erste deutsche Kernkraftwerk Kahl seinen Betrieb aufnahm. Was die rot-grüne Regierung am 22. April 2002 mit dem Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität auf den Weg brachte, betraf zum Zeitpunkt des Regierungswechsels 2009 noch 17 Kernkraftwerke, nachdem die Werke Stade und Obrigheim 2003 beziehungsweise 2005 abgeschaltet wurden.

Erst die Reaktorkatastrophe in Fukushima ließ die schwarz-gelbe Bundesregierung ihre Bemühungen, den Atomausstieg hinauszuzögern, überdenken. Dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung vom Dezember 2010 folgte das Atom-Moratorium am 14. März 2011. Fünf Monate später trat das neue Atomgesetz in Kraft, das die Abschaltung von acht Kernkraftwerken zur Folge hatte. Somit sind in Deutschland noch 9 Kernkraftwerke in Betrieb. Als letztes Werk soll Neckarwestheim 2 im Jahre 2022 abgeschaltet werden.

Auswirkungen des Atomausstiegs auf die Strompreise

Die vier großen Energieversorger in Deutschland RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW argumentieren immer wieder gegen den Atomausstieg. In erster Linie heben sie Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit der Atomenergie hervor. Als Nachteil des Atomausstiegs prophezeien sie ein Ansteigen der Strompreise für den Verbraucher.

In Bezug auf Wirtschaftlichkeit hinken alle anderen Energieträger in der Tat nach. So lassen sich mit 1000 Gramm Uran 350.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Ein Liter Öl bringt es gerade auf 12 Kilowattstunden. Auch der Ausstoß von CO2-Emissionen ist bei fossilen Brennstoffen wesentlich höher. Während der CO2-Ausstoß eines Braunkohlekraftwerks pro erzeugter Kilowattstunde Strom ein Kilogramm übersteigt, beläuft sich der Wert bei Atomkraftwerken gerade mal auf 25 bis 50 Gramm. Trotzdem sind Atomkraftwerke zur Elektrizitätsgewinnung in vielerlei Hinsicht kaum verantwortbar. Die Schäden für die Gesundheit des Menschen durch radioaktive Strahlung und das Unfallrisiko erfordern ein Umdenken und Lösungen mit erneuerbaren Energien. Ganz zu schweigen von dem Problem der Atommüllentsorgung.

Bildstrecke: Atomkraftwerke

GREENPEACE hat beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung eine Studie in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen des Atomausstiegs auf Strompreise in Deutschland und auf Klimaschutz in Deutschland und Europa untersuchen sollte. Das Ergebnis ist überraschend. Die zentrale Erkenntnis der Studie ist die, dass negative Auswirkungen des Atomausstiegs durch eine verbesserte Effizienzpolitik der Bundesregierung und die Ausgestaltung des europäischen Emissionshandelssystems durchaus kompensiert werden können. Der Anstieg der Strompreise wird nur minimal sein. Es wird darauf ankommen, der Stromverschwendung den Kampf anzusagen, um den Stromverbrauch stabil zu halten. Aber selbst, wenn dies nicht gelingt, kommt es zu einem Anstieg der Strompreise von maximal 0,6 Cent oder 2,3 Prozent. Die Auswirkungen auf die CO2-Emissionen werden vor allem von einer verbesserten Effizienzpolitik und einer Verschärfung des europäischen Emissionshandels abhängig sein. Das nationale Klimaziel, nämlich eine Reduzierung der Klimagasemissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990, kann auch mit Atomausstieg erreicht werden, so die Studie. GREENPEACE stellte daraufhin einen Forderungskatalog auf, der unter anderem die Abschaffung von Vergünstigungen für industrielle Großverbraucher, wirkungsvolle europäische Effizienzrichtlinien, ein nationales Energiespargesetz sowie die Einrichtung eines Energieeffizienzfonds mit einem Mindestbudget von 1 Milliarde Euro jährlich enthält.

Wirtschaftliche Bedeutung des Atomstroms für die großen Vier

Die oligopolistische Struktur aus einigen wenigen Anbietern bei vielen Nachfragern lässt die vier großen Energieunternehmen mit ihren Tochtergesellschaften den Erzeugungsmarkt in Deutschland noch immer dominieren. Die Öffnung des Strommarktes erzielte nur bedingt den gewünschten Effekt der Entmonopolisierung. Mit dem Kapital der Mutterkonzerne im Hintergrund erreichten die hundertprozentigen Tochterunternehmen “E WIE EINFACH” (E.ON), “eprimo” (RWE) und Yello (EnBW) sehr schnell eine hohe Kundenzahl. Unternehmen wie FlexStrom, HitStrom, Stromio oder TelDaFax Energy haben es da sehr viel schwerer. Yello hat in seinem Strommix einen Anteil an Kernenergie von mehr als 20%. Der Erfolg von Yello ist umso erstaunlicher, da ein Großteil der Deutschen gegen Atomkraft ist. Diese Marken konnten das Abschalten der Kernkraftwerke Brunsbüttel, Unterweser, Krümmel und Isar 1 (E.ON), Biblis A + B (RWE) sowie Philippsburg 1 und Neckarwestheim 1 (EnBW) in hohem Maße kompensieren.

EnBW ist mit einem Kernenergieanteil von 57% im Jahre 2009 am härtesten vom Atomausstieg betroffen. Mit einem Anteil von 45,01% ist Electricité de France International (EDFI) an EnBW beteiligt (EnBW, 2009). Ausgestattet mit einem sehr großen Atomportfolio wird die EDFI durch den französischen Staat kontrolliert und dürfte seine Anteile rechtzeitig vor Ende der Atomstromära veräußern. Geld, das EnBW in erneuerbare Energien investieren könnte. E.ON und RWE liegen mit ihrem Kernenergieanteil von 24% beziehungsweise 18% im bundesweiten Trend. 2011 wurden nur noch 18% des Stroms mit Kernenergie erzeugt und der Anteil der erneuerbaren Energieträger war erstmals höher. Da die großen Vier nicht nur auf Kernenergie setzen, dürfte der Atomausstieg relativ spurlos an ihnen vorübergehen.

Als erste Industrienation schaltete Italien nach Tschernobyl alle Atomkraftwerke ab. Leider importiert das Land noch immer Unmengen an Atomstrom aus Frankreich, was die Vorbildrolle reichlich schmälert.

Autor: Martin Brosy