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Endlager Asse

Endlager AtommüllForsmark, Krümmel, Brunsbüttel: Seit einigen Jahren ist die Atomkraft wieder in aller Munde – und wird dabei erneut in allen Facetten diskutiert. Dabei werden auch lange nach Tschernobyl stetig weitere Skandale im Zusammenhang mit der Stromerzeugung aus radioaktivem Material bekannt, während die Vorteile der Atomenergie zunehmend in Frage gestellt werden.

In unserer Reihe Asse und Atom werden wir einige Fakten und Verläufe im Zusammenhang mit der Asse beleuchten, vergleichen Argumente pro und contra und behandeln weitere mit der Asse und der Atomenergie in Verbindung stehende Themen.


Bestandteile unserer Atomenergie-Serie auf Energienpoint.de:


Endlager Asse 

Die Dokumentation „Strahlender Sumpf – Atomlager Asse außer Kontrolle?“ wurde im Rahmen der ZDF-Sendereihe „ZDF Dokumentation“ am 1. Juli 2009 ausgestrahlt. Darin nehmen die Autoren Oliver Deuker und Malin Ihlau das Atommülllager Asse näher unter die Lupe. Einst als Forschungsanlage geplant und gebaut, war wenigstens den Betreibern und den zuständigen Behörden schnell klar, dass die Atommüllanlage ein Endlager sein würde. Der ahnungslosen Bevölkerung wurde nichts desto trotz jahrzehntelang wiederholt erklärt, dass die Einrichtung lediglich für vorübergehende Forschungszwecke gebaut sei.

So erklärte Egon Albrecht bereits 1976 – nur drei Jahre nach Inbetriebnahme der Asse – in einem Spiegel-Interview, dass es keinen Zweifel daran geben könne, dass der Atommüll endgültig im Bergwerk Asse verbleiben sollte. Deutschland habe das weltweit einzige funktionierende Endlager, war Albrecht überzeugt.

Atomlager Asse außer Kontrolle?

Trotz Erklärungen und Beteuerungen seitens der Betreiber und Vorarbeiter der Asse erkrankte gleich eine ganze Reihe ehemaliger Angestellter des Bergwerks an verschiedenen Krebsarten. 

Und so wurde noch 2006 behauptet, dass die Radioaktivität in der Asse nahezu bei null läge – damit wäre das Strahlenrisiko an der frischen Luft durch die natürliche Hintergrundstrahlung angeblich höher.

Der Kernphysiker Hans Smital von Greenpeace Hamburg belegt jedoch anhand der Tritium-Konzentration, also dem Anteil von radioaktiven Wasserionen, dass der gemessene Wert im Brackwasser der Asse die Grenzwerte für gesundheitliche Unbedenklichkeit um das 16-fache überschreiten. Er vermutet, dass die Grenzwerte für andere Nukleide ebenfalls erhöht enthalten sind, und warnt vor weitreichenden Folgen für Mensch und Umwelt. Durch die Auslösung von Nukleiden in der Salzlauge, die sich durch eindringendes Wasser in dem ehemaligen Salzbergwerk Asse in den Stollen sammelt, und das Absickern der verstrahlten Lauge besteht eine akute Gefahr, dass das Grundwasser in der Region kontaminiert wird.

Der strahlende Sumpf

Heute lagern über 126.000 Fässer mit leicht und mittelschwer strahlendem Müll in der Asse. Zudem gibt es ernstzunehmende Meldungen darüber, dass etwa 25 Fässer mit stark radioaktiven Plutoniumabfällen ebenfalls in der Asse abgelagert wurden – dies wäre ein klarer Verstoß gegen die Auflagen und Richtlinien der Lagerstätte. Die Bestätigung des Verdachts würde einen weiteren krassen Skandal in einer ganzen Reihe Verstöße seitens der Betreiber bedeuten: Denn auch arsenverseuchter Sondermüll, Tierkadaver und hochgiftige Pestizide wurden hier verklappt, vermutlich zu ähnlich dubiosen Forschungszwecken.

Dabei dringen täglich etwa 12.000 Liter Wasser in das Bergwerk ein, teilweise schwimmen die Müllfässer in der Salzlauge oder sind gänzlich abgesoffen. Die Lauge ist mit dem radioaktiven Isotop Cäsium 137 belastet und sammelt sich offenbar seit Jahren in etwa 750 Metern Tiefe zu regelrechten Seen. Die meisten Kavernen für die radioaktiven Abfälle befinden sich jedoch in etwa 500 Metern Tiefe, das Wasser kommt also auf dem Weg in tiefere Regionen mit dem Müll ausreichend in Kontakt. Das Bundesamt für Strahlenschutz schlug vor, das Asse-Wasser über Flüsse in die Nord- und Ostsee umzuleiten. Die ersten Experten vom TÜV kamen zum Ergebnis, dass das Zutrittswasser radiologisch unbedenklich ist. Der Vertrag mit dem Betreiber der Asse K+S läuft 2016 aus.

Räumen oder versiegeln?

Derzeit wird über eine langfristige Lösung diskutiert. So gibt es Befürworter für eine Versiegelung der Grube, wobei die Schächte unter einen konstanten Druck von 80 Bar gehalten werden, um einen Einsturz zu verhindern. Dann bestünde allerdings selbst bei kleinen Rissen oder Löchern die Gefahr, dass radioaktiver Feinstaub regelrecht aus dem Berg gepresst würde. Eine andere Möglichkeit wäre die Dekontaminierung des Berges. Die Kosten hierfür würden sich jedoch laut Schätzungen des Helmholtz-Zentrums auf drei bis vier Milliarden Euro belaufen – und dabei wäre noch längst nicht geklärt, wohin man den Abfall aus der Asse entsorgen wollte.

Bis Ende 2031 soll ein sicherer Standort für die nächsten eine Million Jahre gefunden sein.

Autor: Timo Essner

Die ZDF-Dokumentation hält noch einige weitere interessante Fakten und Aspekte zum Thema Asse bereit, daher unser Filmtipp an dieser Stelle:

  • „Strahlender Sumpf – Atomlager Asse außer Kontrolle?“ http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/786926/Strahlender+Sumpf#/beitrag/video/786926/Strahlender-Sumpf

Quellen:

  • Homepage der ZDF-Dokumentation „Strahlender Sumpf“ dokumentation.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,7600116,00.html?dr=1
  • Die Dokumentation „Strahlender Sumpf“ im Online Stream der ZDF-Mediathek: zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/786926/Strahlender+Sumpf#/beitrag/video/786926/Strahlender-Sumpf
  • Bericht auf 3Sat: Atommüllgrab Asse 3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/hitec/magazin/128996/index.html
  • Artikel auf Spiegel Online: Atommülllager Asse II – Strahlende Fracht, düstere Zukunft spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,562263,00.html