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Fossile Brennstoffe

Die Energiewende in Deutschland wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit dem Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eingeleitet. Dies kommt einer Wachablösung gleich. Im Zeitraum 1958-2008 wurden fossile Brennstoffe mit Subventionen wie direkte Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und anderen staatlichen Regelungen wie der Förderung des Emissionshandels bedacht. Absoluter Subventionsspitzenreiter unter den fossilen Brennstoffen war die Steinkohle mit Subventionen von 295,2 Milliarden Euro, gefolgt von der Atomenergie (131,8 Mrd. Euro) und der Braunkohle (56,9 Mrd. Euro). Wenn man bedenkt, dass die Zertifikatspreise für CO2-Zertifikate derzeit unter 5 Euro pro Tonne CO2-Ausstoß liegen, bei einem geschätzten realistischen Preis von 70 Euro pro Tonne, kommen rein rechnerisch weitere Subventionen für fossile Kraftwerke in Höhe von 20 Milliarden Euro zusammen. Laut einer Schätzung der IEA wurde 2011 weltweit für Subventionen fossiler Energien die Summe von 532 Milliarden Dollar ausgegeben, ein Wert, der sechs Mal so hoch ist, wie die weltweite Förderung der erneuerbaren Energien.

Das Problem Kohlendioxid

Die Risiken der fossil-nuklearen Stromgewinnung wie CO2-induzierte Klimakatastrophen, Nuklearunfälle und Atommüllendlagerung sind kaum zu beziffern. Die Deckungssumme für das Risiko eines Super-GAUs liegt laut einer Studie der Versicherungsforen Leipzig bei 6 Billionen Euro, was einen Anstieg des Strompreises von derzeit etwa 25 Cent pro Kilowattstunde auf bis zu 67,30 Euro/kWh zur Folge hätte. Allerdings wird sich bei keinem Stromkonzern ein solche Police in den Schubladen finden lassen, da keine Versicherung der Welt bereit ist, ein so hohes Risiko zu versichern.

Der zunehmende CO2-Ausstoß seit Beginn der industriellen Revolution gilt als Hauptursache für die globale Erderwärmung. Braunkohle gilt dabei mit einem Ausstoß von 850-1200 Gramm pro Kilowattstunde als umweltschädlichster Brennstoff. Trotzdem hatte Braunkohle 2011 den größten Anteil an der Stromerzeugung aller Energieträger mit 27,3%. Allein die Abschaffung der Stromerzeugung durch Stein- und Braunkohle hätten im Jahr 2011 CO2-Emissionen von 337,9 Megatonnen vermieden. Das sind Zahlen, die jeglichen Vorstellungsvermögens entbehren.

Der verzweifelte Versuch, den CO2-Ausstoß fossiler Kraftwerke in die Atmosphäre zu vermeiden, treibt teilweise Blüten, die der normale Menschenverstand kaum nachvollziehen kann. So kamen findige Forscher auf die Idee, mittels der sogenannten CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) das Kohlendioxid unterirdisch endzulagern. Durch Abtrennung von den Abgasen und anschließender Verflüssigung soll CO2 per Straßentransport und Pipelines zu Endlagerstätten befördert werden, um es dort unterirdisch zu lagern. Unfassbar, dass sich sogar der Bundestag mit diesem Problem beschäftigte und 2012 trotz massiver Proteste aus der Bevölkerung ein Gesetz zur Erprobung dieser umstrittenen Technologie auf den Weg brachte. Dass er dabei per Gesetzesklausel den Bundesländern ein Hintertürchen offenhielt, nach der sie die CO2-Endlagerung auf ihrem Territorium verbieten können, erscheint da fast wie Hohn. In Zukunft dürfen Stromkonzerne bis zu 1,3 Millionen Tonnen CO2 ins Erdinnere pressen. Die Gesamtmenge soll maximal 4 Millionen Tonnen CO2 betragen. Die Studie "Regenerative Energien (RE) im Vergleich mit CO2-Abtrennung und -Ablagerung (CCS)" des Wuppertal Instituts hat festgestellt, dass bei permanenter Fortführung der derzeitigen Energiepolitik in Deutschland und Europa eine zusätzliche Fokussierung auf CCS als Möglichkeit im Kraftwerksbereich selbst bei sehr hochgesteckten Klimaschutzzielen nicht zwingend notwendig ist.

In der Öffentlichkeit stößt der Neubau von Kohlekraftwerken daher zunehmend auf Ablehnung. Die reinen Investitionskosten pro Kilowatt installierter Leistung liegen bei erneuerbaren Energien inzwischen deutlich unter denen der Kohlekraftwerke. Der begonnene Neubau des Steinkohlekraftwerks Lünen im Jahr 2008 mit einer geplanten Endleistung von 750 Megawatt kostet zum Beispiel 1,4 Milliarden Euro und kommt auf einen Preis pro Kilowatt installierter Leistung von 1.867 Euro. Im Vergleich dazu liegen Windenergieanlagen bei etwa 910 Euro. Das Handelsblatt titelte kürzlich in einem Bericht „Kraftwerksprojekte fallen wie Dominosteine“. Sieben Großprojekte seien innerhalb eines Jahres aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung und wirtschaftlichen Faktoren abgesagt worden. Da Strom aus erneuerbaren Energien im Netz stets Vorfahrt hat, können fossile Kraftwerke kaum über lange Zeiträume im Volllastbetrieb fahren, was die Wirtschaftlichkeit senkt.

Wirtschaftliche Bedeutung der fossilen Brennstoffe

Bevor es zum endgültigen Aus der fossilen Brennstoffe bei der Stromerzeugung kommt, spielen sie noch das Zünglein an der Waage im Prozess der Energiewende. Versorgungssicherheit heißt das Stichwort. Die Energiewende hat grundlegende Veränderungen im Prozess der Stromerzeugung mit sich gebracht. Der steigende Anteil erneuerbarer Energien führt zu einem Überangebot, das jedoch natürlichen Schwankungen unterliegt. Das erhöht den Ausgleichsbedarf für den nicht durch erneuerbare Energien zu deckenden Strombedarf. Die nötige Flexibilität kann nur zum Teil durch Stromspeicher, Importe oder die Anpassung der kurzfristigen Nachfrage erreicht werden. Deshalb werden fossile Kraftwerke auch in den kommenden 20 Jahren von besonderer Bedeutung für die Stromversorgung bleiben. Der Verbraucher verlangt auch nach Strom, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Und noch müssen 75% des Strombedarfs mit fossilen Brennstoffen erzeugt werden. Selbst im Jahr 2030, wenn der Anteil der Erneuerbaren bei 50% Prozent liegt, muss der Rest immer noch weitestgehend fossil erzeugt werden. Trotzdem wird das "Schwarze Gold" langsam aber stetig verblassen, wenn es der Menschheit mit der Erreichung ihrer Klimaziele wirklich ernst ist.

Autor: Martin Brosy