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Solarenergie

Nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums belegt Deutschland in Bezug auf Solarenergie die Spitzenposition vor Japan, USA und Italien. Die Branche verzeichnet seit mehr als zwanzig Jahren Zuwächse, von denen andere nur träumen können. In Zahlen ausgedrückt, liest sich das wie folgt:

Beitrag der Solarenergie zum Primärenergieverbrauch in Petajoule:

  • 1995: 0,03
  • 2011: 69,6

Stromerzeugung in Gigawattstunden:

  • 1990: 1
  • 2012: 28.000

installierte Leistung der Solaranlagen in Megawatt:

  • 1990: 1
  • 2012: ca. 30.0000

Anteil am Netto-Stromverbrauch in Deutschland in Prozent:

  • 1992: 0,001
  • 2012: 5,3

Inzwischen gibt es etwa 1,3 Millionen Solaranlagen in Deutschland, die rein rechnerisch 8 Millionen Haushalte mit Strom versorgen2012 arbeiteten 88.000 Menschen im Bereich Fotovoltaik, wie Solarenergie in der Fachsprache genannt wird. In die Errichtung von Fotovoltaik-Anlagen wurde 2011 die Summe von 15 Milliarden Euro investiert.

Historische Fehleinschätzung der großen Energieversorger

Mit dieser Entwicklung haben die Top-Manager der großen Energieunternehmen (E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW) nicht gerechnet. Noch in den 80er Jahren erklärten sie, dass Sonne und Wind in der Zukunft keinen relevanten Anteil an der Stromerzeugung übernehmen können. Um zu zeigen, „dass es eben nicht geht“, eine Aussage, die RWE-Vorstand Günther Klätte zugeschrieben wird, bauten sie ein riesiges Windrad mit dem Namen Growian. Heute dürfen sie regelmäßig ihre Kraftwerke drosseln, weil Strom aus erneuerbaren Energien im Netz bevorzugt wird. Die historische Fehldiagnose von damals kostet die Konzerne heute Milliarden an Umsätzen. Ein Fünftel des erzeugten Stroms stammt von den Erneuerbaren Energien. Profite, die nun in die Taschen anderer fließen, weil die großen Vier es versäumt haben, in zukunftsträchtige Energieformen zu investieren. 2010 befand sich die in Deutschland betriebene Fotovoltaik-Leistung überwiegend in privater Hand. Die großen Kraftwerksbetreiber hatten gerade mal einen Anteil von 0,2 Prozent.

Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet trotz Förderkürzung mit einem anhaltenden Boom der Erneuerbaren: „Bis zum Jahr 2015 werden wir unsere gesamte Spitzenlast im Sommer mit Solar- und Windenergie decken." Die Folge wird sein, dass der Preis an der Strombörse fällt und weitere konventionelle Kraftwerke vom Netz müssen.

Auswirkungen des Wachstums der Branche Solarenergie auf die Strompreise

Am 1. Januar 2013 stieg die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) von 3,6 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Umlage ist der Teil des Strompreises, der von den Privathaushalten für die Förderung erneuerbarer Energien zu bezahlen ist. Die Energieversorger erklären Strompreiserhöhungen gern mit dieser EEG-Umlage. Rein rechnerisch ist der Anstieg des Brutto-Strompreises im Zeitraum 2000-2013 um etwa 14 Cent pro Kilowattstunde kaum mit einem Anstieg der EEG-Umlage von 5,3 Cent pro Kilowattstunde zu erklären. Die Kosten der Energiekonzerne werden von Lieferverträgen und durch die Spotmarkt-Preise an der Leipziger Strombörse beeinflusst. Jede Einspeisung von Solarstrom führt zu einem Preisrutsch der Strombörsenpreise, wovon die Großkonzerne profitieren. 30 Gigawatt aktuell installierte Fotovoltaik-Leistung ist mittlerweile in der Lage, an sonnigen Tagen im Frühjahr und Sommer den Hauptteil der Tagesspitzenlast zu decken. An solchen Tagen sinkt der Tagesstrompreis an der Strombörse regelmäßig auf das Preisniveau von Nachtstrom (2,5 Cent/kWh). Dieser Fotovoltaik-Effekt verringert auch die Kosten der Energieversorger, weil sie Strom billiger einkaufen können. Den preissenkenden Effekt der Solarstromeinspeisung gibt aber kaum ein Großkonzern an seine Endkunden weiter.

Auch der Preiseinfluss der Politik schlägt zulasten der privaten Haushalte, da energieintensive Industriebetriebe mit hohem Stromkostanteil von der EEG-Umlage befreit sind oder nur 10% davon zahlen. Experten schätzen, dass 2013 über die Hälfte des Industriestroms von der Umlage befreit sein wird. Hinzu kommt, dass Industriebetriebe auch von der preissenkenden Wirkung des Solarstroms an der Börse zu Spitzenlastzeiten profitieren. Die Politik hat als Berechnungsgrundlage der EEG-Umlage die Differenz zwischen Börsenstrompreis und EEG-Vergütung definiert. Somit tritt das Paradoxon ein, dass Fotovoltaik wertvollen Strom in Spitzenzeiten liefert, damit den Börsenpreis zum Nutzen der Industrie senkt, aber die EEG-Umlage zum Nachteil der Privathaushalte erhöht.

Technische Entwicklung der Solarindustrie

Ein wichtiges Etappenziel der Solarindustrie wurde durch die Senkung der Erzeugerkosten unter das Niveau der Verbraucherstrompreise erreicht. Die magische Preisgrenze von 20 Cent pro Kilowattstunde wurde unterschritten. Der Preis für Solaranlagen hat sich seit 2009 mit etwa 2.000 Euro pro Kilowatt nahezu halbiert. Hauptgründe dafür sind eine effizientere Produktion und stark gefallene Silizium-Preise. Laut Analyst Simon Jäger von der DEKA-Bank bewegt sich der Preis für den Halbleiter rasant auf ein Rekordtief von 20 Dollar pro Kilogramm zu. Dieser Preis lag noch 2008 um die 300 Dollar pro Kilo.

Trotzdem muss die Solarindustrie ihre Kosten durch neue Innovationen weiter senken und bleibt vorerst auf weitere Förderung angewiesen. Potenzial nach oben gibt es reichlich. Die Industrie arbeitet fieberhaft an Solarzellen mit höheren Wirkungsgraden. Dieser liegt bei Modulen mit Solarzellen auf der Basis von Siliziumscheiben im Schnitt um die 15% und erreicht Spitzenwerte von 20%.

Der Bund für Energieforschung bewilligte 2011 Gelder für Fotovoltaik-Forschung in Höhe von knapp 75 Millionen Euro. Solarstrom wird nach dem Ende des fossil-nuklearen Energiezeitalters in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Laut einer Studie des Bundesumweltamtes wird es im Jahr 2050 technisch und ökologisch verträglich möglich sein, die Stromerzeugung komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Für die globalen Klimaziele wäre das wünschenswert und die Vermeidung von rund 130 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen durch die Nutzung erneuerbarer Energien im Jahr 2011 sollte ein Ansporn sein.

Infografik Solarenergie

Infografik: Solarenergie in Deutschland. Bildquelle: Energienpoint.de

Autor: Martin Brosy