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Branchenreport Solarenergie

Die Solarbranche wurde bis noch vor wenigen Jahren von deutschen und amerikanischen Unternehmen dominiert. Seit einigen Jahren wird in China und anderen asiatischen Staaten eine hochmoderne Solarinfrastruktur aufgebaut. Sowohl die europäischen Länder, als auch die Staaten aus Fernost subventionieren die heimischen Unternehmen. In China werden Projekte mit einer Mindestkapazität von 50 kw (Benötigte Fläche: 400m²) steuerlich begünstigt, sodass die Besitzer bis zu 60 Prozent der Investitionssumme steuerlich geltend machen können. Ein ähnliches Programm gibt es auch in den USA. In Deutschland regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG die Höhe der staatlichen Förderung. Hat ein Investor zur richtigen Zeit einen Solarpark bauen lassen, wurden ihm  Erlöse von 43 Cent je Kilowattstunde auf einem Zeitraum von 20 Jahren garantiert durch das EEG garantiert. Ab einer installierten Leistung von 52.000 Megawatt soll die Förderung auslaufen. Momentan sind 33.000 MW installiert worden. Das entspricht einer theoretischen Leistung von 24 Atomkraftwerken. Mittlerweile wird die Förderung sukzessiv in allen Ländern gesenkt, denn die Unternehmen bauten große Lagebestände auf. Überkapazitäten von 60.000 Megawatt stand nur eine halb so große Nachfrage gegenüber. Der Angebotsüberhang führte in Deutschland zu zahlreichen Insolvenzen. Einige werden weiter unten im Artikel näher besprochen.

Einige Verbände werfen der chinesischen Regierung „illegale Subventionen“ vor. Aus diesem Grund befasst sich nun die Europäische Union mit den Vorwürfen, um gegebenenfalls Sanktionen oder Strafzölle zu verhängen. Solarbauer befürchten, dass die Chinesen den Preiskampf gewinnen werden, da sie Geld von der Regierung erhalten und dadurch ihre Panels zu günstigeren Weltmarktpreisen anbieten können. Werden die sogenannten „Dumping-Strafzölle“ seitens der EU-Kommission tatsächlich eingeführt, hat dies nicht nur negative Auswirkungen auf China. Die Allianz für bezahlbare Solarenergie schätzt, dass in drei Jahren bis zu 84.700 Stellen in Deutschland in der Branche weg fallen könnten. Schuld daran wäre der Preisanstieg für ein Solarmodul, denn die Billigkonkurrenz aus China würde in Europa Marktanteile verlieren. Im Reich der Mitte würden ungefähr 400.000 Chinesen ihren Job verlieren. 2012 exportierten die Chinesen Solarmodule im Wert von 21 Milliarden Euro in die EU. Kritiker verweisen darauf, dass viele deutsche und chinesische Firmen zusammenarbeiten. Wir liefern zum Beispiel Maschinen zur Herstellung von Solarzellen nach China. Außerdem könnten die Zölle über Taiwan umgangen werden. Taiwan exportierte im ersten Halbjahr 2011 Solarpanels im Wert von 234 Millionen Euro, gefolgt von Korea mit 168 Millionen Euro. Vor Taiwan lag mit 400 Millionen Euro Malaysia. Welchen Einfluss chinesische Solar-Unternehmen haben, sehen Sie in der unteren Grafik. Unternehmen wie Suntech und Q-Cells mussten bereits Insolvenz anmelden.

Die deutsche Solarbranche konsolidiert trotz drei Rekordjahren mit einer installierten Leistung von 22.000 Megawatt weiterhin. Aber auch in China mussten erste Solarunternehmen Konkurs anmelden.

Aleo Solar AG: Schließen bald die Tore?

Bosch zählt weltweit über 300.000 Mitarbeiter. Einigen (700-900) davon dürfte 2013 die Entlassung drohen, denn die Tochtergesellschaft Aleo-Solar wird abgewickelt. Bosch möchte seinen Anteil von 90,7 Prozent unbedingt verkaufen. Bis 2014 bekommen die Oldenburger noch von Bosch finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. 2012 sank das Ergebnis vor Steuern von minus 30,5 Millionen Euro auf minus 77 Millionen Euro. Der Umsatz fiel um 39 Prozent auf 279,9 Millionen Euro. Das Management bekräftigt, dass trotz Senkung der Herstellungskosten der Preisverfall von 40 Prozent nicht kompensiert werden konnte. Sollte das Werk in Prenzlau keinen Käufer finden, wird Aleo Solar ab 2014 insolvent sein.

Centrotherm: Wege aus der Insolvenz

Im letzten Jahr wurde bei den Schwaben das Insolvenzverfahren eröffnet. In Eigenverwaltung versuchte sich das Unternehmen zu sanieren. 2012 gehörte das Unternehmen zu den größten Kapitalvernichtern und führte das Ranking der „Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz“ sogar an. Insgesamt viel die Aktie um 92 Prozent im letzten Jahr. Auf Platz zwei und drei lagen die Solarunternehmen Solarworld und Phoenix Solar.

Conergy: In Händen von Hedge Fonds

Conergy klagt seit Jahren über dieselben Probleme wie Aleo Solar: Der starke Preisverfall, bedingt durch die Überkapazitäten macht es den Hamburgern schwer. 2012 wurde ein EBIT von minus 84 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr fiel das Minus doppelt so hoch aus. Im Frankfurter Werk arbeiten mittlerweile nur noch 300 von 600 Angestellten. Das Werk sei nach Aussagen des Vorstandschef Comberg voll ausgelastet und wettbewerbsfähig. Die Aktie ist nach der Rettungsaktion durch Hedge-Fonds stark gefallen und die Anteile wurden verwässert.

First Solar: Solarriese aus den USA

Das amerikanische Unternehmen First Solar gehört zu größten Solarbauern der Branche. Zum Neujahr 2013 war für die Mitarbeiter in den beiden Werken in Frankfurt Oder Schluss. Betroffen waren in der strukturschwachen Region ungefähr 2.200 Mitarbeiter. Das Inventar soll abgebaut und verkauft werden. Sollte sich kein Käufer finden, werden die Anlagen verschrottet. Finanziell ist die First Solar AG allerdings besser aufgestellt als einige seiner Konkurrenten.

Global Solar Energy Deutschland: Insolvent

Im Juli 2012 traf es die Berliner und es wurde Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen produzierte mit 133 Mitarbeitern seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

Q-Cells: In den Händen von Südkoreanern

Q-Cells galt lange Zeit als das Vorzeigeunternehmen der Branche. Die Analystenstimmen waren durchweg positiv und niemand hätte geahnt, dass am dritten April 2012 die Insolvenz beantragt wird. Es standen mehr als 1.300 Jobs auf dem Spiel. Die Südkoreaner übernahmen das Unternehmen und retteten somit viele Jobs. Konkret verleibte sich Hanwha im August 2012 das Unternehmen ein. 

SMA: Bekommt die Krise zu spüren

SMA Solar produziert Wechselrichter und gehört zu den Zulieferbetrieben. Der Branchenriese hat ebenfalls mit den Überkapazitäten zu kämpfen. SMA beschäftigt 5.700 Mitarbeiter und 500 von ihnen sollen entlassen werden. Damit will das Unternehmen die Herstellungskosten senken. 2012 konnten Umsätze in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Im Vorjahr waren es noch 1,7 Milliarden Euro. Der Überschuss sank um 50 Prozent auf 75 Millionen Euro. SMA steht nicht vor dem aus, spürt die Krise aber sehr deutlich. Die Position ist momentan aber noch komfortabel.

Solar Millennium: Insolvent

Der Solarkraftwerk-Hersteller stellte im Dezember 2011 einen Insolvenzantrag und gehörte damit zu den ersten. Im Februar 2012 wurde dann das Insolvenzverfahren eröffnet. Es stehen 60 Jobs auf dem Spiel.

Solon: Insolvent

Die Solon-Pleite war mit Sicherheit einer der Medienwirksamsten 2011. Das Unternehmen wies 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro aus. Im März 2012 übernahm Microsol die Berliner und schloss anschließend das Werk in Greifswald. Von den 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst 433 erhalten. In diesem Jahr soll es wieder aufwärts gehen und zum Jahresende soll ein Gewinn ausgewiesen werden.

Sovello: Insolvent

Das Unternehmen Sovello spaltete sich 2005 von der Q-Cells SE ab und ist seit dem 1. August 2012 ebenfalls insolvent. Im Mai 2012 versuchte die Geschäftsleitung in Eigenregie das Unternehmen zu sanieren. Über 1.000 Mitarbeiter verloren ihren Job, denn ein Investor wurde vergebens gesucht. Die Maschinen und das restliche Inventar wurden durch den Insolvenzverwalter versteigert. 

Suntech: Chinesen in der Insolvenz

Mit Suntech meldet nun auch ein großes chinesisches Unternehmen Insolvenz an. Unternehmer Shi prophezeite Suntech eine rosige Zukunft. Bis 2020 sollte die Firma so groß wie BP oder Shell sein. Die Pleite wird mit der Lehman-Pleite verglichen, dann das Unternehmen gilt als Systemrelevant. Die Produktion läuft weiter. Die Gläubiger haben in ihren Büchern Forderungen von 870 Millionen Euro stehen. Zuletzt sind die Gewinne drastisch eingebrochen, es wird aber davon ausgegangen, dass der chinesische Staat dem Solarmodul-Produzenten unter die Arme greift.

Die europäischen Solarbauer fordern von den Regierungen Bürgschaften und Förderkredite. Nur so kann die Durststrecke überwunden werden. Wir sind gespannt, wie sich die Lage entwickelt. Im nächsten Jahr werden wir einen weiteren Branchenreport online stellen.

Im oben abgebildeten Kreisdiagramm haben wir Ihnen die Marktanteile international tätiger Solarunternehmen aufbereitet.  Suntech-Power dürfte 2012 und 2013 an Marktanteilen verloren haben, da das chinesische Unternehmen in Schwierigkeiten geraten ist. Im Ranking befindet sich keine deutsche Firma.

Roland Berger prognostizierte in einer Studie zur Solarindustrie, dass der Anteil deutscher Unternehmen an der Produktion von Maschinen und Anlagen für die Branche 2020 weiterhin bei 50 Prozent liegt. Auch wenn die Solarbauer im internationalen Vergleich eine geringe Rolle spielen, ist die deutsche Zuliefererindustrie nach wie vor stark gefragt.

Autor: Martin Brosy