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Projekt Desertec

Die Initiative Desertec ist auf der Welt einmalig und verfolgt das ehrgeizige Ziel, Europa und andere Teile der Welt mit sauberen Strom aus den Wüsten Nordafrikas, dem Nahen Osten und Asien zu versorgen.

Der produzierte Strom aus Sonnenkraftwerken und Windrädern könnte bis 2050 etwa 15-20 Prozent des europäischen Energiebedarfs decken. Der erzeugte Strom aus der Sahara soll zu 80 Prozent Nordafrika und zu 20 Prozent Europa mit Energie versorgen. Die Kosten belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro und können nur durch ein starkes Engagement durch die nationalen Regierungen und der Privatwirtschaft geschultert werden.

Am 20. Januar 2009 wurde die Desertec-Foundation als Stiftung gegründet. Das Konzept dafür wurde bereits in den Jahren 2003 bis 2007 entwickelt. Hervorgegangen ist die Stiftung aus der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation, kurz TREC. Die beiden Hauptinitiatoren waren der Physiker Dr. Gerhard Knies und Prinz Talal von Jordanien. Letztere war damals der Präsident des renommierten „Club of Rome“.

Experten haben berechnet, dass eine 500 x 500 Kilometer, mit Solartechnik bebaute Fläche in einer Wüste ausreichen würde, um den Energiebedarf von Europa und sogar der ganzen Welt zu decken. Die Desertec-Foundation rechnet vor, dass die Wüsten der Erde in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne empfangen, als die Menschen auf der Erde in einem Jahr verbrauchen könnten. Das heißt aber nicht, dass der Strom für uns kostenlos wäre, denn die Kosten für die Infrastruktur und Wartung werden auf den Strompreis für den Verbraucher abgewälzt. Das DLR beziffert die Stromkosten pro Kilowattstunde in einer Studie auf 6,5 Cent. Es geht bei dem Projekt nicht um günstige Strompreise, vielmehr soll der Klimawandel gestoppt und die Ausbeutung von Ressourcen, wie zum Beispiel Kohle oder Erdöl beendet werden. Die Energiegewinnung soll so CO2-neutral wie möglich geschehen.

Das Projekt Desertec besteht nicht nur aus einem Solarpark, sondern stellt einen Verbund aus vielen unterschiedlichen Projekten dar. Das erste Kraftwerk soll 2014 in Tunesien gebaut werden. Aber auch in Marokko möchte man loslegen. Geplant ist eine 12km² große Pilotanlage mit einer Leistung von 500 MW. Die Projekte sind stark vom diplomatischen Geschick der einzelnen Staaten abhängig. So kam es in Marokko immer wieder zu Verzögerungen, da die Regierung bereits eigene Projekte bei der Stadt Ouarzazate geplant hat. Noch in diesem Jahr soll das Projekt mit einer Leistung von 160 MW ans Netz gehen. Bis zum Jahr 2017 soll die Anlage dann auf 500 Megawatt ausgebaut werden. Bis dato war Marokko stark von anderen Ländern abhängig, denn das Land importierte 80 Prozent des benötigten Energiebedarfs. Nach langem hin und her, möchte man nun aber doch das Projekt im Rahmen der Desertec-Initiative realisieren und künftig sogar Strom exportieren. Bis 2020 möchte das Land die nationale Solar-Leistung auf 2000 MW ausbauen. 

In Marokko und in anderen Teilen der Welt kommen dabei nicht die üblichen Solarmodule zum Einsatz, sondern sogenannte solarthermische Parabolrinnenkraftwerke. Dabei wird Wasserdampf erzeugt, welcher dann zum Antrieb einer Turbine genutzt wird. Besonders interessant ist, dass die gewonnene Wärmeenergie gespeichert wird, sodass eine optimale Stromversorgung gewährleistet werden kann. Diese Technologie kann nebenbei auch Meerwasser entsalzen und somit knappes Süßwasser herstellen.  Viele Anlagen nutzen anstelle von Wasser Thermoöl, welches im Absorberrohr auf 390 Grad Celsius erwärmt wird. Bei der Nutzung von Wasser werden das Öl und der Wärmetauscher überflüssig. Der erzeugte Strom kann dann über sogenannte HGÜ-Leitungen nach Europa transportiert werden. HGÜ steht für „Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung“. Diese Leitungen verlieren auf 1.000 Kilometer Kabel lediglich 3 Prozent Strom.

Deutschland engagiert sich sehr stark in diesem Projekt. Bundeswirtschaftsminister Rösler fordert die EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, das Engagement zu erhöhen und politische Grenzen zu überwinden. Deutsche Unternehmen wie Bosch oder Siemens stiegen bereits aus dem Projekt aus, denn die Planung dauert zu lange und verschlang somit viel Geld. Insider berichteten, dass Siemens durch seine Beteiligung einen Schaden von 800 Milliarden Euro erlitten habe. Bosch dürften durch den Rückzug Aufträge für die Steuerungstechnik der Solarmodule fehlen. Die Technik sorgt dafür, dass sich das Modul mit der Sonne, ähnlich einer Sonnenblume dreht. Dadurch wird die Ausbeute erhöht. Andere Unternehmen profitieren von dem Vorhaben: Schott Solar aus der Oberpfalz produziert zum Beispiel Receiver für Desertec. Insgesamt beschäftigt Schott Solar 1.200 Menschen und pro Woche verlassen 1.500 Receiver das Werk.  Auch die KfW hilft bei der Realisierung des Pilotprojekts in Marokko. Das Institut hatte Ende 2012 für den Bau einen Kredit in Höhe von 100 Millionen Euro zugesagt. 

Kritiker weisen darauf hin, dass Deutschland bis 2020 durch die eigene Energiewende schon einen Großteil seines Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen wird. Aus diesem Grund sei das Projekt Desertec überflüssig. Das Projekt ist aber nicht mehr aufzuhalten und nun soll auch in Asien der Ausbau beginnen. Als Ziel haben sich die Desertec-Gründer und die Japan Renewable Energy Foundation (JREF) die Vollversorgung Asiens gesetzt. Im ersten Schritt sollen in der Gobi-Wüste potentielle Plätze für künftige Windparks identifiziert werden und bereits 2014 soll der erste 300 Megawatt starke Windpark in Betrieb genommen werden. Im mongolischen Teil der Gobi-Wüste sollen dann Windparks mit einer Leistung von 7.000 Megawatt entstehen. Das Projekt läuft künftig unter den Namen „Asia-Super-Grid“. 

Ob und wann das Projekt zum Erfolg wird, kann aktuell nicht gesagt werden. Es werden noch Jahre vergehen, bis die kühnen Visionen der Initiatoren in Erfüllung gehen. 

Bildstrecke Solarkraftwerke/Parabolrinnenkraftwerke in der Wüste

 

 

Autor: Martin Brosy