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Windenergie

Als „Rückgrat der Energiewende“ bezeichnete Bundesumweltminister Peter Altmaier die Rolle der Windenergie auf der WindEnergy-Messe in Husum 2012. In der Tat lag der Anteil der Windenergie am gesamten Stromverbrauch 2011 bei 8,1 Prozent, mehr als bei allen anderen erneuerbaren Energien. Das Ziel der Bundesregierung sei es, so Altmaier, bis zum Jahr 2050 die Hälfte der deutschen Stromversorgung mit Windenergie zu decken. Laut Halbjahresreport 2012 der World Wind Energy Association (WWEA) teilen sich weltweit fünf Länder (China, USA, Deutschland, Spanien und Indien) einen Anteil von 74% aller Windkraft-Kapazitäten. Nur die USA und Deutschland konnten Wachstumsraten gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres verzeichnen.

Windenergie in Deutschland

Infografik: Windenergie in Deutschland. Bildquelle: Energienpoint.de

Derzeit speisen 23.030 (Ende 2012) Windenergieanlagen Strom in das deutsche Netz ein. Das Gros davon sind auf dem Land installierte Onshore-Anlagen. Allerdings bekommen Länder und Kommunen, die für die Flächenvergabe zuständig sind, immer mehr Platzprobleme, da gestellte Flächen zunehmend belegt sind. Höhenbeschränkungen und Abstandsregelungen machen es nicht einfach, Flächen für die wie Pilze aus dem Boden schießenden Windmühlen zu genehmigen. Für Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, „ist Offshore-Windkraft für die Energiewende in Deutschland unerlässlich, schon, weil wir ein dicht besiedeltes Land sind.“ Im Gegensatz zu den Sonnenzeiten verbessert zudem der stete Wind die Grundlast-Qualitäten der Offshore-Anlagen.

 Offshore-Anlagen sind die Zukunft

 

Deshalb setzt die Windindustrie neuerdings verstärkt auf Offshore-Anlagen im Meer. Besonders der Nordsee werden große Potenziale zugeschrieben. Mit 130 Milliarden Euro beziffert die Unternehmensberatung Roland Berger das globale Investitionsvolumen in Offshore-Windenergieanlagen bis zum Jahr 2020. Windstrom aus dem Meer verspricht in der Zukunft die höchsten Renditen, was Großinvestoren anziehen dürfte. Auch die Energiepolitik der Bundesregierung lässt darauf schließen, dass der zunächst teure Ausbau wünschenswert ist. Für Forschungsprojekte im Bereich Offshore-Windenergie wurden 2012 Gelder in Höhe von 100 Millionen Euro bereitgestellt. Auch wurden schon konkrete Ausbau- und Produktionsziele für den Betrieb von Offshore-Anlagen festgelegt. Zwischen 20 und 25 Gigawatt Windenergieleistung mit einer Stromproduktion von 70-85 Gigawattstunden pro Jahr soll bis zum Jahr 2030 erreicht werden. Als positiver Nebeneffekt ergibt sich aus dieser Politik eine Stärkung der strukturschwachen Küstenregionen. Die Finanzexperten der Bundesregierung erwarten für die Verwirklichung der Offshore-Ziele einen Investitionsbedarf von 75 Milliarden Euro.
 
 Die Herausforderungen der Offshore-Windenergie sind enorm. Die Entfernung der Windparks von der Küste liegt bei den in Planung befindlichen Anlagen schon bei 60-100 Kilometer mit Wassertiefen bis zu 45 Meter. Auch die Kapazität vergrößert sich ständig und trägt zur Senkung der Gestehungskosten bei. BARD Offshore 1 in der Nordsee leistet schon jetzt 200 Megawatt. Nach Fertigstellung der kompletten Anlage werden es 400 Megawatt sein. 
 
 Der erste deutsche Hochseewindpark Alpha Ventus, umgesetzt durch ein Konsortium der Energieversorger EWE, E.ON und Vattenfall, hat mit 4.450 erreichten Volllaststunden im Jahr 2011 die Erwartungen weit übertroffen. Aktuell sind vier Offshore-Anlagen in der Nordsee (ENOVA Offshore Ems-Emden, Hooksiel, Alpha Ventus und BARD Offshore 1) und zwei in der Ostsee (Rostock und Baltic 1 von EnBW) in Betrieb. Sieben weitere Anlagen befinden sich im Bau und 23 in Planung, sodass Ende 2015 etwa 3 Gigawatt installierte Leistung am Netz sein wird.

 Die Bedeutung der großen Energieversorger

 Trotz dieser durchaus positiven Zahlen wurden die Erwartungen in der Entwicklung der Offshore-Windenergie nicht ganz erfüllt. Verzögerungen bei den Netzanschlüssen haben den Markt verunsichert. Die Bundesregierung reagierte prompt und legte eine am 1. Januar 2013 in Kraft getretene Regelung zur Entschädigung für diese Fälle vor. Ein verbindlicher Offshore-Netzentwicklungsplan soll die Netzverzögerungen in Zukunft vermeiden. 
 
 Zudem verlangen Großprojekte von Offshore-Windparks finanzkräftige Kapitalgeber mit langem Atem. Von der Planung bis zur Fertigstellung solcher Anlagen vergehen in der Regel mehrere Jahre. Hier sind die großen Energieversorger gefragt, die mit ihrem finanziellen Hintergrund (Beispiel RWE: 6,4 Milliarden Gewinn 2012) ihren Anteil an der Energiewende leisten können.
 
 Windenergie ist der einzige erneuerbare Energieträger, in den die großen Vier (E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW) nachhaltig investieren. Mehr als zwei Drittel der weltweiten Offshore-Windparks werden derzeit von großen Energiekonzernen direkt finanziert. Für das Image der Kraftwerksbetreiber passen große Offshore-Windparks auch viel besser in ihr Geschäftsmodell als kleine Fotovoltaikanlagen. Dort betrug der Anteil der großen Vier 2012 gerade mal 0,2%. 
 
 Um Kapitalbindung und strategisches Risiko zu minimieren, binden die Großkonzerne vermehrt Banken, Versicherungen und vor allem Stadtwerke als Minderheitsinvestoren in ihre Offshore-Projekte ein. Bestes Beispiel dafür ist der Ostsee-Windpark Baltic 1 von EnBW, an dem 19 Stadtwerke beteiligt sind. Organisiert in einer Beteiligungsgesellschaft, halten sie Anteile von 49,7%. Der Erfolg dieser Finanzierung ließ EnBW auch für die Finanzierung des Projekts Baltic 2 Beteiligungen für Stadtwerke und Industrieunternehmen anbieten.

Haben die Großkonzerne jahrelang über die EEG-Vergütungen gewettert, profitieren sie langsam selbst vom Boom der Erneuerbaren und reihen sich nun mit einiger Verspätung in die Reihe der EEG-Vergütungsempfänger ein. Überflüssig zu erwähnen, dass sie sich dabei für die höchsten Vergütungen entschieden haben, denn von allen erneuerbaren Energien ist Offshore-Windkraft die teuerste. Windstrom aus dem Meer wird mit 15 bis 19 Cent pro Kilowattstunde vergütet, während es für Solarstrom aus großen Solarparks, den RWE-Chef Jürgen Großmann so gern verspottet, ab Mai 2013 nur noch 10,82 Cent gibt. Fast hat es den Anschein, als finden die großen Vier ihre Rolle bei der Energiewende schlussendlich doch noch und beginnen sogar, an ihr zu verdienen.

Autor: Martin Brosy