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Kleinwindenergieanlagen

Im Grunde handelt es sich bei einer Kleinwindenergieanlage um eine normale Windkraftanlage. Ein Windgenerator wandelt die kinetische Energie in elektrische Energie um und über einen Wechselrichter kann diese dann ins Netz eingespeist werden. Die einzigen Unterschiede zu herkömmlichen Windanlagen bestehen in der Höhe, Nennleistung und Platzierung der Kleinwindanlage.

Bild: Kleinwindanlage Beispiel

In Deutschland werden über 150 verschiedene Windkraftgeneratoren-Modelle aus dem Aus- und Inland angeboten. Von einer Marktdurchdringung kann in Deutschland allerdings noch nicht gesprochen werden, obwohl die Branche jährlich beachtliche Wachstumsraten verzeichnet.

Eine offizielle Definition für die Kleinwindenergieanlage, kurz KWEA bietet das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Demnach werden Windanlagen mit einer Leistung von unter 50 kW den Kleinwindanlagen zugeordnet. Der BVKW differenziert zusätzlich noch bei der Höhe. Micro-Windanlagen dürfen maximal eine Rotorfläche von 5 Quadratmeter und eine Gesamthöhe von 30 Meter besitzen. Niedrige KWEAs dürfen über eine Rotorfläche über 5 Quadratmeter verfügen und maximal zehn Meter bis zur Nabe hoch sein. Normale Kleinwindanlagen dürfen eine Höhe von 30 Metern nicht überschreiten. Außerdem gibt es eine europäische Richtlinie (EN 6140-2), die die Sicherheitsbestimmungen für kleine Windkraftanlagen mit einer Windangriffsfläche von 200 Quadratmetern regelt.

Definition Kleinwindanlage Höhe

Es gibt horizontale und vertikale Kleinwindenergieanlagen. Wobei sich letzteres besonders im urbanen Gelände eignet. Die Horizontalachser sind „Miniaturausgaben“ der normalen Windkraftanlagen.

Was macht eine Kleinwindenergieanlage so interessant?

Die dezentrale Energieversorgung spielt in Deutschland und dem Rest der Welt eine große Rolle. Dank günstigen Solarzellen, Solarthermie und Blockheizkraftwerken können sich die Haushalte teilweise von den Stromanbietern loslösen und autark werden. Mit Kleinwindenergieanlagen können Hausbesitzer die kostenlose Energiequelle Wind nutzen und somit die Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe reduzieren.

Kosten für eine Kleinwindanlage

Die Einstiegspreise für Kleinwindanlagen liegen bei 600 Euro. Dafür können Sie eine Nennleistung von 500 Watt erwarten. Pro installiertem Kilowatt muss man mit 750 bis 4.000 Euro kalkulieren. Im Laufe der Jahre wird sich die Leistung zum gleichen Preis dank des technologischen Fortschritts erhöhen.

Fehlende Zertifizierung in Deutschland

Die meisten Anlagen in Deutschland sind nicht nach IEC 61400-2:2006 zertifiziert. Dabei ist die Zertifizierung für den Verbraucher wichtig, da sie diesen die bestehende Unsicherheit bei Schadensfällen nimmt. Die Kosten für eine Zertifizierung sind allerdings so hoch, dass es sich wirtschaftlich für die Hersteller von Kleinwindanlagen nicht lohnt. Es fallen pro Anlage Kosten in Höhe von bis zu 200.000 Euro an. Der Bundesverband Kleinwindanlagen möchte das ändern und nach englischen und amerikanischen Vorbild eine Zertifizierung einführen. In England muss eine Anlage ein Qualitätssiegel führen um bei Einspeisung des Stroms ins Netz die geförderten Einspeisetarife zu erhalten. Bestandteil der Zertifizierung sind ein Belastungstest sowie eine Vermessung des Schalls und der Leistungskurve.

Der Verbraucher hat in Deutschland noch das Nachsehen, denn wegen den fehlenden Standards gibt es viele unseriöse Firmen in der Branche. Beispielsweise werden bei den Leistungsangaben völlig überzogene Werte in die Broschüre geschrieben.

Kritik ist angebracht

Wie bei allen Anschaffungen gilt, holen Sie sich mehrere Angebote ein. Die Vertriebsmitarbeiter für Kleinwindanlagen haben bei Laien leichtes Spiel. In fiktiven Berechnungen wird ein hoher Stromertrag ausgewiesen. Sie sollten den Verkäufer fragen, wie lange die Anlage bereits auf den Markt ist und ob sie ausreichend erprobt wurde. Im Internet können Aussagen schnell nachrecherchiert werden. Einige Unternehmen investieren viel Geld in Pressearbeit und lancieren auf einschlägigen Webseiten und Magazinen Artikel. Von Hochglanzbroschüren und sehr guten Zahlen sollte man sich nicht blenden lassen. Der Großteil der Anbieter ist jedoch seriös und berät Sie anständig. Stellen Sie dennoch Fragen und lassen Sie sich alles genau erklären.

Den eigenen Horizont können Sie auf Kleinwindanlagen-Messen erweitern. Bleiben Sie kritisch, denn viele der vorgestellten Anlagen sind Prototypen und noch nicht erprobt. Einen Kauf sollten Sie auf der Messe nicht tätigen, denn Kleinwindenergieanlagen sind eine beratungsintensive Angelegenheit.

Die bekannteste Messe für Kleinwindenergie „new energy“ findet jedes Jahr in Husum statt. Im Jahr 2013 waren über 72 Aussteller vor Ort. Im Jahr 2014 lockten 16.000 Quadratmeter an Ausstellungsfläche mehr als 15.000 Besucher aus über 25 Ländern an.

Bild: Kleinwindanlagen Kritik

Der richtige Standort für Kleinwindenergieanlagen

Bevor Sie sich für einen Kauf entscheiden, müssen Sie den Standort sorgfältig mit Hilfe eines Experten analysieren. Haben Sie Nachbarn in unmittelbarer Nähe, denen die Geräuschkulisse und der Schattenwurf der Anlage stören könnten? Der Abstand zum Nachbar muss in der Regel eine halbe Anlagenhöhe von der Grundstücksgrenze betragen. Die Bauämter machen da genaue Vorgaben. Ein weiteres Kriterium ist der „Discoeffekt“. Es gilt Lichtreflexionen an den Rotorblättern zu vermeiden. Werden die Anforderungen des Bauamts nicht eingehalten, kann das Amt Rückbau fordern. Die Turbulenzen müssen überprüft werden. Befinden Sie sich in einem dicht besiedelten Stadtteil? In diesem Fall könnte eine vertikale Anlage mehr Sinn machen als eine horizontale.

In einigen Bundesländern bedürfen Anlagen mit einer Höhe zwischen fünf und zehn Metern keiner Baugenehmigung. In anderen Teilen müssen Anlagen mit einer Höhe von drei Metern dieselben Voraussetzungen wie ihre großen „Brüder“ erfüllen. Erkundigen Sie sich diesbezüglich unbedingt bei dem für Sie zuständigen Bauamt.

Für den perfekten Standort haben wir einige nützliche Tipps für Sie gesammelt. Eine KWEA sollte nicht im Wald platziert werden. Eine Anhöhe wäre optimal, denn je höher die Anlage steht, desto höher wird die Stromausbeute sein. In der Hauptwindrichtung muss auf ein ungestörtes Strömungsfeld geachtet werden. Befinden sich in der Umgebung Gebäude oder Hindernisse, muss die Anlage mindestens doppelt so hoch sein wie die Objekte. Bei einer Anlage auf dem Dach, sollte der Rotor weit entfernt davon sein, denn sonst können Turbulenzen auftreten.

Bild: Kleinwindanlagen Standort

Wie gehe ich beim Bau einer Kleinwindenergieanlage vor?

Im ersten Schritt sollten Sie sich den künftigen Standort der Windenergieanlage anschauen. Befinden sich in der Nähe Hindernisse oder von woher kommt der Wind. Letzteres können Sie in Wetterkarten einsehen. In diesem Schnelltest klären Sie, ob sich der gewählte Platz überhaupt für Ihr Vorhaben eignet. Im nächsten Schritt können Sie einen Experten engagieren, der für Sie die notwendigen Messungen vornimmt, zum Beispiel Windgeschwindigkeiten. Danach erkundigen Sie sich über die Hersteller und deren Produktportfolio. Grenzen Sie die möglichen Turbinen ein und holen Sie sich Angebote ein. Anschließend muss der Energieertrag errechnet werden. Fünf bis fünfzehn Prozent können wegen der Stillstandzeiten erfahrungsgemäß abgezogen werden. Im vorletzten Schritt wird die wirtschaftliche Berechnung vorgenommen. Sollte sich die Idee als lohnenswertes Investment herausstellen, können die nötigen Genehmigungen eingeholt werden.

Wie finde ich den richtigen Hersteller für KWEAs?

Eine zertifizierte Anlage stellt einen großen Vorteil dar. Recherchieren Sie relevante Unternehmensdaten: Wie alt ist das Unternehmen, verfügt es über eine Vielzahl an Mitarbeitern, lassen sich Pressemitteilungen im Internet finden, wie hoch ist die Anzahl verkaufter Turbinen und werden die Modelle überarbeitet. Besuchen Sie den Hersteller auf der Internetseite: Macht diese einen seriösen Eindruck? Betreibt das Unternehmen Windkraftanlagen auf Testfeldern? Holen Sie sich Rat von Experten, vielleicht haben diese bereits Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.

Bild: Kleinwindanlagen Hersteller

Was kann ich mit einer Kleinwindkraftanlage alles betreiben?

Nehmen wir an, dass Sie sich für eine Kleinwindanlage mit einer Nennleistung von 1 kW, also 1.000 Watt bei einer Windgeschwindigkeit von 5 m/s interessieren. In der Modellrechnung wird davon ausgegangen, dass die Nennleistung permanent erzeugt wird. Wenn Sie in Ihrem Haus Glühbirnen mit 100 Watt besitzen, dann wird die Anlage zehn solcher Glühbirnen mit Strom versorgen können. Einen Wasserkocher mit 1.000 Watt könnten Sie gerade noch betreiben. Alles was über 1.000 Watt betrieben werden soll, erfordert die Installation eines Zwischenspeichers in Form einer Batterie.

Bürokratieabbau für Kleinwindanlagen

Damit die dezentrale Stromversorgung in Deutschland weiter voranschreitet, sollten die Länder flächendeckend eine Baugenehmigungsfreiheit für Anlagen mit einer Maximalhöhe von zehn Metern einführen. Einige Länder wie Bayern und Sachsen gehen mit gutem Beispiel voran und haben diese Forderung bereits umgesetzt.

Hersteller von Windkraftanlagen

In der folgenden Übersicht listen wir Ihnen einige Hersteller von Kleinwindkraftanlagen auf. Die Angaben in der Liste sind ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich zusätzlich bei Fachhändlern.

  • Gödecke Energie- und Antriebstechnik GmbH
  • Braun Windturbinen
  • Easywind
  • Heyde Windtechnik
  • Lely Aircon
  • PSW-Energiesysteme
  • Superwind
  • WES energy

Bildstrecke Kleinwindenergieanlagen

Bild: Kleinwindenergieanlagen Bild 1

Bild: Kleinwindenergieanlagen Bild 2

Bild: Kleinwindenergieanlagen Bild 3

Bild: Kleinwindenergieanlagen Bild 4

Autor: Martin Brosy