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Die größten Windparks

Im Jahre 1987 wurde an der Nordseeküste von Schleswig Holstein der erste deutsche Windpark eingeweiht. Einige Jahre später, nämlich 2009 ging dann der erste deutsche Offshore-Windpark alpha-ventus ans Netz. In der Zwischenzeit hat sich viel getan und nahezu jede Nation verfügt über große Windparks im On- und Offshore-Bereich. Das ist auch notwendig, denn nur so können die ehrgeizigen Klimaziele erreicht werden. In diesem Artikel geht es um die größten Windparks der Welt und wir von Energienpoint.de haben versucht, so viele Fakten wie möglich zu recherchieren, um Ihnen als Leser ein umfassendes Bild zu geben.

1. Alta Wind Energy Center , 2. BARD Offshore 1, 3. Fantanele/Cogealac, 4. Gansu, 5. London Array, 6. Roscoe, 7. Tarfaya, 8. Thanet

Windparks in Deutschland

Infografik: Windparks in Deutschland. Bildquelle: Energienpoint.de

Windpark Alta Wind Energy Center

In den Onlinemedien findet man leider nur sehr wenig zum Alta Wind Energy Center in Kalifornien, trotzdem möchte ich die gesammelten Fakten hier zusammentragen. Genau befindet sich das Projekt am Tehachapi Pass der Tehachapi Mountains in Kern Country an der Westküste der USA. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel Google investierten in den Park, um das eigene Image aufzubessern. An der Projektfinanzierung erhöhte der Internetriese zuletzt seinen Anteil von 102 Millionen US-Dollar auf 157 Millionen US-Dollar. Mit einer installierten Leistung von 1.320 Megawatt dürfte das Projekt für lange Zeit eines der größten der Welt sein. Die Turbinen wurden unteranderem von dem dänischen Unternehmen Vestas geliefert.  So kamen zum Beispiel Turbinen vom Typ V90-3.0 MW zum Einsatz.  Insgesamt befinden sich auf dem Gelände 490 Anlagen.

Windpark BARD Offshore 1

Knapp 90 Kilometer nordwestlich von Borkum befindet sich auf einem Areal von 60 Quadratkilometer der erste kommerziell betriebene Offshore-Windpark Deutschlands. Das Projekt umfasst 80 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von jeweils 5 Megawatt. Der dadurch erzeugte Strom kann im Optimalfall 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. Im Jahre 2012 zog sich der Mehrheitsanteilseigner SüdWestStrom aus dem Vorhaben zurück. Der Stadtwerk-Verbund begründete den Schritt damit, dass sich der Windpark nicht mehr rentieren würde und somit seine Wirtschaftlichkeit verloren hat. Die Realisierung des Projektes brachte aber noch weitere Unannehmlichkeiten mit sich. Verantwortlich ist das Unternehmen Bard für den Park und dieses unterschätzte den Bau von Windkraftanlagen für den Offshore-Bereich. Infolgedessen explodierten die Kosten und es wird händeringend nach einem Investor gesucht. Die Europäische Union förderte den BARD Offshore 1 Windpark mit 53 Millionen Euro.

Windpark Fantanele/Cogealac

Im November 2012 wurde bei Dobrogea im Landkreis Constanta das letzte Windrad des bis dahin größten Onshore-Windparks Europas und Rumäniens ans Netz angeschlossen. Die Region gilt als vielversprechendster Standort für Windkraftanalgen in Europa. Das Unternehmen CEZ Romania, ein Tochterunternehmen des größten mitteleuropäischen Energieversorgers CEZ betreibt den Windpark und beauftrage das amerikanische Unternehmen General Electric mit den Bau von 240 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 600 Megawatt. Die verbauten 2,5 MW-Anlagen von GE wurden bereits in über 19 Ländern exportiert und haben mehr als sieben Millionen Betriebsstunden absolviert. Dieser Typus von Anlage versorgt mittlerweile über 1,4 Millionen Menschen mit grünem Strom.

Die tschechische Unternehmensgruppe CEZ investierte in den Windpark eine Milliarde Euro und plante das Projekt in zwei Phasen. In der ersten Phase wurden im Fantanele-Windpark bis Dezember 2010 139 Windturbinen errichtet. Die restlichen 101 Windturbinen wurden im Cogealac-Windpark bis November 2012 aufgestellt und wie eingangs beschrieben, ans Netz angeschlossen. Die Gesamtfläche des Windparks beläuft sich auf 1.100 Hektar, wobei der Teil in Fantanele mit 600 Hektar rund 100 Hektar größer ist als der Teil in Cogealac.

Windpark Gansu

China ist nicht länger das Land von Smok in Millionenstädten, verschmutzten Flüssen und zahlreichen Kohlekraftwerken. Wie auch in der Solarbranche befindet sich das Reich der Mitte in der Windenergie-Branche im Aufwind und bedient damit seit Jahren schon nicht mehr die Klischees der westlichen Nationen. Die Windkraftkapazitäten wurden nahezu jährlich verdoppelt und wie eine Studie der Harvard University und der Tsinghua-Universität belegt, kann das Land bis 2030 den gesamten Strombedarf profitabel aus der Windenergie decken. Der Wunsch einer CO2-neutralen Stromversorgung scheint damit in Greifbarer Nähe zu rücken. Auch wenn die Modellrechnung der Experten nach Utopie klingt, beweisen Anstrengungen wie der Windpark Gansu, dass die chinesische Regierung an regenerative Energieformen interessiert ist. Die Baukosten für den Windpark werden sich auf 12 Milliarden Euro belaufen. Im Jahre 2020 soll der Park fertiggestellt werden und dabei auf eine Leistung von 20 Gigawatt zurückgreifen können. Im Idealfall kann der Windpark 20 Atomkraftwerke ersetzen. Am Projekt beteiligt sind die China Longyuan Electric Power und die Gansu Provinz Power Investment Group.

Windpark London Array

In der Themse-Mündung, rund 20 Kilometer vor der Küste von Kent und Essex über eine Fläche von 90 Quadratkilometern entsteht das ehrgeizige Projekt London Array. Ein Konsortium aus Energiekonzernen möchte künftig mit einer installierten Leistung von 630 Megawatt 470.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Das Gebiet um England eignet sich hervorragend für Offshore-Windparks, da die Wassertiefe deutlich geringer ist als beispielsweise in Deutschland. In Zwölf-Stunden-Schichten arbeiteten 4.000 bis 5.000 Arbeiter an sieben Tagen der Woche am Windpark. Aufgestellt wurden Windräder von der Firma Siemens. Jede der 175 Windturbinen besitzt eine Leistung von 3,6 Megawatt. Eine Windkraftanlage misst eine Höhe von 147 Metern. Siemens übernimmt für die ersten fünf Jahre auch den Service für den Windpark. Der Auftragswert dürfte sich für Siemens auf 1,2 Milliarden Euro belaufen. Größter Anteilseigner an London Array ist mit 50 Prozent das Unternehmen Dong Energy, gefolgt von Eon mit 30 Prozent. Die Firma Masdar aus Abu Dhabi ist mit 20 Prozent am Projekt beteiligt. Um Großbritannien existieren bereits mehr als 800 Windkraftanlagen. Ähnlich engagiert sind die Dänen mit 500 Anlagen. Seit Januar 2013 ist der Windpark am Netz angeschlossen. In einer zweiten Bauphase soll der Park auf eine Leistung von einem Gigawatt erweitert werden. Dies entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks.

Kritiker bemängeln, dass solche Windparks niemals permanent unter Vollauslastung laufen werden und deshalb nicht wirtschaftlich seien. Lediglich die hohen staatlichen Subventionen bewegen Energieriesen dazu, solche Windparks zu bauen und zu betreiben. 

Windpark Roscoe

In zwei Jahren wurde bei Roscoe, einer texanische Kleinstadt mit 1.300 Einwohnern ein Windpark mit einer installierten Leistung von 781,5 Megawatt errichtet. Im Jahre 2008 wurden im ersten Schritt 209 Mitsubishi Windturbinen mit einer Leistung von jeweils einem Megawatt aufgestellt. In der zweiten Phase, welche ebenfalls 2008 beendet wurde, errichteten die Ingenieure 55 Windräder von der Firma Siemens mit einer Leistung von jeweils 2,3 Megawatt. In der vorletzten Phase wurden 166 Windräder von GE mit einer Leistung von jeweils 1,5 MW aufgebaut. Die letzten 197 Windräder wurden erneut von Mitsubishi geliefert und jede der Anlagen hatte eine Leistung von einem Megawatt. Für die Landbesitzer von Roscoe war der Windpark ein Segen, denn diese konnten jährlich pro Windrad Pachtgebühren zwischen 5.000 und 15.000 US-Dollar einnehmen. 

Die Projektkosten beliefen sich auf über eine Milliarde US-Dollar und heute erstreckt sich der Park auf einer Fläche von über 400 Quadratkilometern. Damit ist der Windpark doppelt so groß wie die Stadt Düsseldorf. Seit Oktober 2010 ist der Windpark Roscoe nun schon im Betrieb.

Windpark Tarfaya

Marokko zählt für mich neben Ghana als Vorreiter im Bereich erneuerbare Energien in Afrika. Bis 2020 möchte das Land seinen Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 Prozent aufstocken. Bereits im Projekt Desertec engagierte sich Marokko stark, so sollen zwischen 2014 und 2016 die ersten drei Pilotprojekte in Betrieb genommen werden.

Der Energieversorger GDF Suez aus Frankreich möchte in Marokko den größten Windpark Afrikas bauen und anschließend betreiben. Die Windturbinen werden von Siemens geliefert und nach eigenen Schätzungen geht GDF Suez davon aus, dass das Projekt 450 Millionen Euro kosten wird. Im Jahr 2014 soll der Windpark ans Netz angeschlossen werden. Geplant sind 131 Windräder mit einer Leistung von 300 Megawatt.

Windpark Thanet 

Im September 2010 wurde vor der Küste der englischen Grafschaft Kent einer der größten Windparks der Welt feierlich eingeweiht. Betrieben wird der Park von Vattenfall und insgesamt erstrecken sich die 100 Windräder auf einer Fläche von 35 Quadratkilometern. Jede der Anlagen besitzt eine Nennleistung von drei Megawatt und damit kann im Idealfall der Windpark Thanet rund 200.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein Windrad erreicht eine Höhe von 115 Metern. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf eine Milliarde Euro. Der Bau des Parks dauerte eineinhalb Jahre und sorgte dafür, dass die Briten ihren eigenen Klimazielen einen großen Schritt entgegengekommen sind. Bis 2020 möchten die britische Regierung 15 Prozent des gesamten Strombedarfs aus erneuerbaren Energien erzeugen. Großbritannien besitzt im Vergleich zu anderen europäischen Nationen eine hohe Kapazität an Windparks, dies ist der Insellage zu verdanken.

Bilderstrecke Offshore-Windparks

 

 

           

Autor: Martin Brosy