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16.08.2017 16:44 Alter: 121 days
Autor: Martin Brosy Kategorie: energienpoint.de - TOP Story

Wartung von Windkraftanlagen: Arbeit für Schwindelfreie


Die naturverträgliche Energiewende in Deutschland ist im Gange, auch wenn viele ursprünglich angestrebte Ziele bis 2020 kaum noch zu erreichen sind. Dennoch gibt es in Deutschland mittlerweile über 28.000 Windkrafträder. Es gibt Offshore-Anlagen vor den Küsten, aber auch im Inland stehen die umweltschonenden Kraftwerke. Die Wartung ist dabei etwas ganz Besonderes, müssen die Techniker doch weit über dem Boden in der Höhe ihre Arbeit verrichten. Schwindelfreie Fachkräfte werden daher gesucht.

Windradpark im Inland

Bild: Windrad-Parks leisten einen entscheidenden Beitrag des Energieanteils der erneuerbaren Energien. Bildquelle: joerns – 622735367 / shutterstock.com

Auf Helgoland wurde Ende Oktober letzten Jahres der Ausbau des Hafens und die Errichtung einer Service- und Betriebsstation abgeschlossen. Auf der Hochseeinsel ist somit die Unterbringung von Fachkräften möglich und die Insel kann als Basis für den Betrieb und die Wartung von Offshore-Windparks genutzt werden. In Reichweite liegen drei Offshore-Windparks, die zwischen 25 und 39 Kilometer von Helgoland entfernt sind und von diesem Ausbau profitieren:

Name

Betreiber

Leistung

·                    Nordsee Ost

RWE Innogy

295 Megawatt

·                    Amrumbank West

E.On Climate & Renewables GmbH

300 Megawatt

·                    Meerwind

WindMW GmbH

288 Megawatt

 

 

 

Windkrafträder müssen offenkundig nicht nur auf dem Land, sondern auch auf dem Wasser gewartet werden, damit sie wie gewünscht grünen Strom an die Haushalte liefern können. Aufgrund der Witterungsverhältnisse sind die Belastungen für die Anlagen höher als auf dem Land. Sie sind Wellen und Salzwasser ausgesetzt und darüber hinaus können häufiger unvorhergesehene Ereignisse eintreffen. Der Wartungsaufwand ist dadurch höher, weshalb die Betreiber auch neue Wege gehen.

Wartung mithilfe von Drohnen

Im Offshore-Windpark Nordsee Ost werden von RWE innogy deshalb Drohnen wie die H520 von Yuneec eingesetzt. Die Drohnen übernehmen die Aufgabe der Sichtwartung der Rotorblätter, was mit deutlich weniger Aufwand verbunden ist. So sieht es auch Wolf Kind, Senior Asset Integrity Manager bei innogy: „Wenn der Rotorblattexperte dicht am Blatt ist und dieses unmittelbar aus nächster Nähe in Augenschein nehmen kann, ist das natürlich die beste Variante. Allerdings ist die seilunterstützte Inspektion sehr aufwendig. Mit der Drohne erhoffen wir uns eine Zeitersparnis und damit einen geringeren Produktionsausfall.“

Informationen über Drohnen

Infografik mit Informationen über Drohnen

Bild: Einsatzgebiete von Drohnen können vielfältig sein. Bildquelle: energienpoint.de

Für das Unternehmen ist der Einsatz von Drohnen derweil nichts Neues. Bereits seit 2013 nutzt innogy Drohnen für die Inspektion, allerdings nur auf dem Land, beispielsweise für Hochspannungsleitungen oder Photovoltaikanlagen. Die starken Winde auf dem Meer erschweren den „Piloten“ verständlicherweise die Arbeit, dennoch überwiegen die Vorteile.

Die Sichtprüfung kann mithilfe der Drohnen also vereinfacht werden, aber für die weitere Instandhaltung sind Techniker vor Ort nötig. Mit sogenannten Crew Transport Vessels (CTV) werden diese von Helgoland zu den Offshore-Anlagen befördert. Daraufhin müssen sie im Inneren des Windrads den Aufstieg meistern und werden mit Seilen gesichert, um die Rotorblätter in Augenschein zu nehmen. Die Elektrik der Windräder will natürlich auch gewartet werden und dafür gibt es (zu) wenig Fachpersonal.

Das liegt an der Tatsache, dass es keinen speziellen Ausbildungsberuf in diese Richtung gibt. Die Windenergie ist ein spezielles Feld und benötigt Ingenieure, Mechaniker und Elektriker, aber auch Schlosser und Monteure. In der Windindustrie ist die Arbeitsplatzsituation in Deutschland jedoch sehr gut:

  • 330.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind unmittelbar oder mittelbar mit den Erneuerbaren Energien verbunden.
  • Die Windindustrie stellt mit 43 % der Beschäftigten den größten Anteil unter den Erneuerbaren Energien.
  • Im Jahr 2015 waren 142.900 Arbeitsplätze in der Windenergie-Branche vorhanden.
  • Davon waren 20.500 Mitarbeiter Offshore und 122.400 Onshore tätig.

Nicht nur fehlende Investitionen, auch fehlendes Personal, sind ein Grund dafür, dass der Ausbau der Windenergiegewinnung langsamer vorangeht als von der Bundesregierung geplant. Laut einer Studie von McKinsey ist der Ausbau bei elf von 20 geplanten Windparks verzögert und nicht im Plan. Der Zubau an Windkraftanlagen liege deutlich unter den ursprünglich formulierten Zielen, obwohl die Ziele korrigiert wurden. Bis 2020 sollen 6,5 GW zusätzlich durch Windenergie erzeugt werden. Diese Zahlen können aktuell jedoch nicht erreicht werden.

Entwicklung der Windkrafttechnologie

Die 28.000 Windkraftanlagen in Deutschland sind übrigens für 12,3 % (2016) des in Deutschland erzeugten Stroms verantwortlich. Das zeigt, welches Potential die Windenergie besitzt. Durch technologischen Fortschritt und den stetigen Ausbau wird sich dieser Anteil in den nächsten Jahren weiter erhöhen, wenn auch weniger schnell als von der Regierung angestrebt.

In den letzten zwei Jahrzenten ist die Entwicklung der Windtechnologie stark vorangeschritten. Die Windräder werden immer größer und leistungsstärker, so dass weniger Windräder für die gleiche oder eine höhere Stromerzeugung sorgen. Die durchschnittliche Leistung der neu installierten Anlagen beträgt auf dem Land knapp 3.000 kW.

Im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 1.115 kW. Das liegt vor allem an der Höhe der neuen Anlagen, die fast doppelt so große Ausmaße haben wie noch zu Beginn des Jahrtausends. Aktuell sind Windräder durchschnittlich 128 Meter hoch (Nabenhöhe), und sie haben einen Rotordurchmesser von 109 Metern.

Die Offshore-Windräder sind natürlich etwas größer und produzieren auch dank des stärkeren Windes mehr Strom. Hier lauten die durchschnittlichen Daten: Leistung: 5.244 kW, Nabenhöhe: 104 m, Rotordurchmesser: 145m. Natürlich ist dies auch mit höheren Kosten verbunden. Nicht nur die Wartung ist aufwendiger, sondern auch die Installation. Die Anlagen stehen auf Fundamenten, die je nach Tiefe um die 700 Tonnen wiegen.

Windenergieausbau mit Schwierigkeiten

Doch nicht nur auf dem Wasser, auch an Land hat der Windkraftausbau mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Da die Ausschreibungen neuer Anlagen an Land zum Großteil an Bürgerenergiegesellschaften gingen, könnte der Ausbau ins Stocken geraten. Im Gegensatz zu anderen Investoren (24 Monate) haben die Bürgerwindgesellschaften eine Umsetzungsfrist von 54 Monaten, bis die Windkrafträder ans Netz angeschlossen sein müssen.

Dass die Gesellschaften diese Zeitspanne ausnutzen, liegt an finanziellen Anreizen. Die Investitionskosten für Windkrafträder sinken nämlich jedes Jahr, während die Einnahmen pro Kilowattstunde zunächst festgeschrieben sind. Aus unternehmerischer Sicht wäre also ein Abwarten von Vorteil. Für die Energiewende kann dies jedoch ein nächster Rückschlag sein, da die Ziele der Bundesregierung bis dato ohnehin nicht erreicht und bereits mehrfach überarbeitet bzw. nach unten korrigiert wurden. Ein Kampf gegen Windmühlen ist die Energiewende jedoch nicht.

Bildquelle: joerns – 622735367 / shutterstock.com


Über den Autor (*)

Martin Brosy

Martin Brosy
Boersenpoint

Martin Brosy betreibt die Börsenplattform und das Börsenspiel www.boersenpoint.de . Mit dem Beginn seines BWL-Studiums 2009 fing Herr Brosy damit an Aktien und Devisen erfolgreich zu traden.
Als Chefredakteur von Boersenpoint veröffentlicht er täglich seine Gedanken zu interessanten Aktien und komplexen Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

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